Lampenfieber. Dein Kopf weiß, dass du es kannst. Dein Körper glaubt es nicht.

Was bei Lampenfieber im Körper passiert, warum es sich selbst verstärkt, was im Moment hilft und was eine Sitzung darüber hinaus leisten kann. Ein Ratgeber von Reiner Küstner, Stand Oktober 2026.

Reiner Küstner auf der Bühne mit weit geöffneten Armen
Der Abend vorher

Wenn der Körper nicht zuhört

Du hast dich vorbereitet. Die Folien stehen, du kennst jedes Argument, du hast den Anfang dreimal laut geübt. Und trotzdem: Schon am Abend vorher zieht sich der Bauch zusammen. Kurz bevor du dran bist, wird der Mund trocken, das Herz klopft bis zum Hals. Du sagst dir, dass alles gut ist. Dein Körper hört nicht zu.

Lampenfieber kennen fast alle, die vor anderen sprechen, spielen oder auftreten. Bei manchen ist es ein kurzes Kribbeln, das verschwindet, sobald es losgeht. Bei anderen bestimmt es, ob sie sich überhaupt noch melden, eine Präsentation übernehmen oder eine Rede halten.

In diesem Artikel geht es darum, was dabei im Körper passiert, warum Lampenfieber sich selbst verstärkt, was im Moment hilft und was eine Sitzung darüber hinaus leisten kann.

Kurz gesagt

Das Wichtigste in drei Sätzen

Lampenfieber ist eine Alarmreaktion

Dein Körper reagiert auf die erwartete Bewertung durch andere, als ginge es um eine Gefahr.

Es verstärkt sich, wenn du es beobachtest

Wer auf jedes Zittern achtet, verliert die Aufmerksamkeit für das, was er sagen will.

Das Ziel ist nicht völlige Ruhe

Das Ziel ist: Du spürst das Herzklopfen und kannst trotzdem den ersten Satz sagen.

Die Signale

Was bei Lampenfieber im Körper passiert

Bei Lampenfieber geht dein Körper in erhöhte Alarmbereitschaft, oft schon beim Gedanken an den Auftritt. Auslöser ist nicht das Publikum selbst, sondern die erwartete Bewertung: Was denken die anderen? Was, wenn ich mich blamiere? Das Herz schlägt schneller, die Atmung verändert sich, die Muskeln spannen sich an. Was du davon zuerst bemerkst, ist sehr unterschiedlich. Häufig sind diese vier Signale.

01

Herzklopfen

Oft schon Stunden oder Tage vorher, beim bloßen Gedanken daran.

02

Ein enger Bauch

Appetit weg, Übelkeit, das Gefühl, dass sich alles zusammenzieht.

03

Ein trockener Mund

Gerade dann, wenn du sprechen musst.

04

Zitternde Hände oder eine zitternde Stimme

Das, wovor sich viele am meisten fürchten, weil andere es bemerken könnten.

Warum Lampenfieber sich selbst verstärkt

Das Unangenehmste an Lampenfieber ist oft nicht die erste Reaktion, sondern das, was danach kommt. Du merkst, dass deine Stimme zittert, und denkst: „Jetzt merken alle, wie unsicher ich bin.“ Dieser Gedanke verstärkt die Angst, die Angst verstärkt das Zittern.

Dazu kommt etwas, das viele unterschätzen: Du beginnst, dich selbst zu beobachten. Zittert die Hand noch? Werde ich rot? Hört man es an der Stimme? Je genauer du auf die Symptome achtest, desto weniger Aufmerksamkeit bleibt für das, was du eigentlich sagen willst. Und genau dann reißt der Faden.

Deshalb arbeite ich nicht auf völlige Ruhe hin. Die musst du nie erreichen, und wer auf sie wartet, wartet oft vergeblich. Ein gewisses Maß an Aufregung gehört dazu, wenn dir eine Sache wichtig ist. Das Ziel ist ein anderes.

„Ich spüre Herzklopfen und kann trotzdem den ersten Satz sagen.“

Das Ziel, mit dem ich arbeite

Was hilft schnell bei Lampenfieber?

Für den Moment selbst gibt es ein paar Dinge, die viele als hilfreich erleben. Sie lösen das Lampenfieber nicht auf, aber sie helfen dir, handlungsfähig zu bleiben.

  • Die Aufmerksamkeit auf die Botschaft richten. Statt dich zu fragen, wie du wirkst, frag dich: Was sollen die Zuhörer mitnehmen? Das lenkt die Aufmerksamkeit weg von deinen Symptomen.
  • Den ersten Satz kennen. Nicht den ganzen Vortrag auswendig, aber den Einstieg. Wenn der erste Satz steht, ist der schwerste Moment vorbei.
  • Pausen erlauben. Eine Pause fühlt sich für dich doppelt so lang an wie für dein Publikum. Sie wirkt nicht unsicher, sondern ruhig.
  • Nach einem Fehler weitersprechen. Ein Versprecher fällt dem Publikum kaum auf, wenn du nicht stehen bleibst. Korrigieren, weitermachen.
  • Die Symptome nicht bekämpfen. Das Herz klopft? Dann klopft es eben. Wer dagegen ankämpft, gibt ihm noch mehr Aufmerksamkeit.

Warum gute Tipps oft nicht reichen

Solche Tipps findest du überall, und sie sind nicht falsch. Viele, die zu mir kommen, kennen sie alle. Sie wissen genau, was sie tun sollten. Aber in dem Moment, in dem sie vor den anderen stehen, ist das Wissen weg. Der Körper ist schneller.

Eine Sitzung setzt deshalb nicht beim Wissen an, sondern beim Erleben. Der Unterschied ist: Du probierst eine andere Reaktion konkret aus, bevor es darauf ankommt.

In der Sitzung

Was in einer Sitzung anders passiert

So gehe ich bei Lampenfieber vor. Nicht jede Sitzung braucht jeden Schritt, aber das ist der Rahmen.

01

Den Auslöser eingrenzen

Was genau ist der kritische Moment? Der erste Satz? Der Blick ins Publikum? Eine Rückfrage? Die Angst vor einem Blackout?

02

Die Situation dosiert vorstellen

In Hypnose gehen wir den Auftritt durch, Schritt für Schritt und so, dass es dich nicht überfordert.

03

Hilfreiche Reaktionen üben

Die Aufmerksamkeit auf die Botschaft richten, Pausen lassen, nach einem kleinen Fehler weitersprechen. Nicht als Vorsatz, sondern als Erfahrung in der Vorstellung.

04

Nach einem Ursprung schauen

Oft gibt es einen Moment, an dem das Lampenfieber begonnen hat, zum Beispiel eine Situation, in der du vor anderen bloßgestellt wurdest. Mit einer Regression gehen wir dorthin zurück und geben dem Teil, der damals Angst hatte, was er gebraucht hätte: vor allem Sicherheit.

05

In den Alltag übertragen

Danach üben wir den Einstieg im echten Leben, zuerst vor einer Person oder einer kleinen Gruppe.

Hypnose bei Auftrittsangst wird auch wissenschaftlich untersucht, unter anderem mit Musikern. Der Mehrwert liegt aus meiner Sicht im angeleiteten Erleben und Üben: Du hast die Situation schon einmal anders erlebt, bevor sie wirklich kommt.

Woran du merkst, dass sich etwas verändert

Nicht daran, dass du gar nichts mehr spürst. Sondern daran, wie du mit dem umgehst, was du spürst:

  • Das Herz klopft, und du sagst trotzdem den ersten Satz.
  • Du merkst ein Zittern in der Stimme und sprichst weiter, ohne dich zu beobachten.
  • Du meldest dich in einem Meeting, in dem du früher geschwiegen hättest.
  • Du übernimmst eine Präsentation, die du früher abgegeben hättest.

Der beste Test ist der nächste echte Auftritt. Und mehrere solche Auftritte sagen mehr als ein einzelner gelungener.

Zum Ausprobieren

Was du selbst tun kannst

Fünf Schritte, mit denen du dein Lampenfieber besser kennenlernst und den Auftritt im Kleinen übst.

01

Finde deinen kritischen Moment

Schreib auf, wann genau die Aufregung am stärksten ist: am Abend vorher, kurz davor, beim ersten Satz, bei Rückfragen?

02

Schreib deinen ersten Satz auf

Wörtlich. Übe ihn laut, bis er sitzt.

03

Übe klein

Erzähl einer Person den Anfang deines Vortrags. Dann zweien. Steigere langsam.

04

Lenke die Aufmerksamkeit nach außen

Such dir im Publikum zwei, drei freundliche Gesichter und sprich zu ihnen.

05

Beobachte, was nach dem Auftritt bleibt

Was hat das Publikum bemerkt? Meistens weit weniger, als du befürchtet hast.

Wann du dir Hilfe holen solltest

Wenn die Angst vor Auftritten so stark ist, dass du wichtige berufliche Schritte vermeidest, schon Tage vorher kaum schläfst oder auch in ganz alltäglichen Situationen mit anderen Menschen große Angst hast, sprich bitte mit deinem Arzt oder einem Psychotherapeuten. Das sage ich dir auch im Erstgespräch offen, wenn ich den Eindruck habe, dass es bei dir so ist.

Reiner Küstner im Vortrag mit Headset und erklärender Handbewegung
Ursachenorientiert

Wie ich mit Lampenfieber arbeite

Ich kenne Lampenfieber selbst. In meinen Zwanzigern hatte ich es, wenn ich irgendwo auf einer Bühne etwas sagen sollte. Heute habe ich es nicht mehr.

Ich arbeite mit Coaching und Hypnose, ursachenorientiert und an deiner konkreten Situation. An Folien, Aufbau und Körpersprache arbeite ich nicht, dafür gibt es gute Rhetoriktrainer. Ich arbeite an dem, was in dir passiert, bevor du den ersten Satz sagst. Ob sich etwas verändert hat, zeigt der nächste echte Auftritt. Online per Video, in Einzelbegleitung.

Wie das abläuft, was es kostet und für wen es gedacht ist, liest du auf meiner Seite Redeangst überwinden mit Hypnose und Coaching.

Meine Arbeit ist Coaching und Transformationsarbeit. Sie ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung. Ich arbeite ausschließlich mit Erwachsenen.

Reiner Küstner
Dein nächster Schritt

Reden wir über deinen Auftritt

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