Angst vor Kaltakquise. Die Nummer ist gewählt. Bis auf die letzte Ziffer.

Warum der Anruf so schwerfällt, obwohl du weißt, wie es geht. Ein Ratgeber von Reiner Küstner, Stand Oktober 2026.

Reiner Küstner im Vortrag vor vollem Saal
Der Moment vor dem Anruf

Wenn der Anruf liegen bleibt

Du hast die Liste. Du hast deinen Gesprächseinstieg. Du weißt, was du sagen willst. Und trotzdem fühlt sich der Hörer schwer an. Kurz bevor du die letzte Ziffer wählst, fällt dir ein, dass du noch schnell das Postfach aufräumen solltest. Oder das Angebot von gestern überarbeiten. Am Ende des Tages ist alles erledigt, nur nicht der Anruf.

Wenn du das kennst, bist du in guter Gesellschaft. Die Angst vor Kaltakquise kennen fast alle, die verkaufen, und ich kenne sie selbst. Ich habe früher sehr viel Kaltakquise gemacht und auch mit bester Vorbereitung war ich vor vielen Anrufen aufgeregt und habe gezögert. Viele Selbständige und Verkäufer, die heute mit mir arbeiten, beschreiben genau diesen Moment. Und fast alle sagen dazu: „Ich weiß ja, wie es geht. Ich mache es trotzdem nicht.“

Kurz gesagt

Das Wichtigste in drei Sätzen

Woher die Angst kommt

Ein Anruf bei jemandem, der nicht mit dir rechnet, setzt dich seiner Bewertung aus. Ein alter Teil in dir reagiert darauf wie auf eine Gefahr.

Warum Tipps nicht reichen

Skripte helfen im Gespräch. Das Problem liegt im Schritt davor und den erreicht kein Leitfaden.

Was weiterhilft

Sattelfest sein, den ersten Anruf klein machen und an der Reaktion vor dem Anruf arbeiten.

Woher kommt die Angst vor Kaltakquise?

Kaltakquise ist eine besondere Situation. Du rufst jemanden an, der nicht mit dir rechnet, und stellst dich und dein Angebot seiner Bewertung. Das Nein ist jederzeit möglich und es kommt oft.

Für einen alten Teil in dir ist das keine Kleinigkeit. Ablehnung bedeutete früher, aus der Gruppe zu fallen. Deshalb reagiert dein System auf den Anruf nicht wie auf eine Aufgabe, sondern wie auf eine Gefahr. Viele spüren das körperlich: Druck oder sogar Panik im Brustkorb, ein Kloß im Hals, schon bevor sie den Hörer in die Hand nehmen. Manche nennen es Telefonangst, aber der Hörer ist nur der Auslöser.

Dazu kommt, was jeder aus seiner Geschichte mitbringt. Sätze wie „Über Geld spricht man nicht“ oder „Man drängt sich nicht auf“ wirken lange nach. Wer so aufgewachsen ist, erlebt jeden Verkaufsanruf ein bisschen als Grenzüberschreitung. Genau an dieser Reaktion setzt meine Arbeit bei Verkaufsangst an.

Wann es hakt

Die drei Momente, in denen die Angst zuschlägt

Die Angst zeigt sich selten im Gespräch selbst. Sie zeigt sich davor, beim Preis und danach.

01

Vor dem Anruf

Das Aufschieben. Der Anruf ist unangenehm, also kommt er auf morgen. Und übermorgen. Je länger er liegen bleibt, desto größer wird er.

02

Beim Preis

Einer der häufigsten Sätze, die ich höre, geht ungefähr so: „Mein Angebot kostet 100 Euro, aber für dich mache ich es für 80.“ Der Rabatt kommt, bevor der Kunde überhaupt etwas gesagt hat. Oft steckt dahinter, dass du selbst nicht ganz überzeugt bist, dass dein Angebot den Preis wert ist. Und das hört dein Gegenüber.

03

Beim Nachfassen

Das Angebot ist raus, der Kunde meldet sich nicht. Nachfassen hieße, noch einmal das Nein zu riskieren. Also wartest du. „Er meldet sich schon, wenn er will.“ Meistens meldet er sich nicht.

Auch das mit dem Preis kenne ich von früher. Ich hatte lange im Hinterkopf, ich würde dem Menschen das Geld aus der Tasche ziehen. Bis mir klar wurde: Wenn ich etwas wirklich Gutes anbiete, nehme ich niemandem etwas weg. Ich gebe ihm etwas, das ihm weiterhilft. Mit diesem Gedanken klingt derselbe Preis plötzlich anders, für dich und für dein Gegenüber.

Warum Skripte und Tipps nicht reichen

Wer mit Verkaufsangst kämpft, sucht die Lösung fast immer im Kopf: noch ein Gesprächsleitfaden, noch ein Seminar, noch eine Technik für Einwände. Das ist nicht falsch. Ein guter Leitfaden hilft im Gespräch.

Nur kommt er an der Stelle, an der es hakt, gar nicht zum Einsatz. Das Problem ist nicht das Gespräch, sondern der Schritt davor. Tipps wie „Mach einfach mehr Anrufe“ arbeiten am Verhalten. Die Reaktion, die das Verhalten steuert, bleibt davon unberührt.

Vorbereitung und Technik machen dich besser im Gespräch.
An der Aufregung davor ändern sie oft nur wenig.

Aus meiner eigenen Zeit am Telefon
Reiner Küstner erklärt im Seminar
Aus eigener Erfahrung

Was mir selbst geholfen hat

Sattelfest sein. Ich habe mich in mein Produkt oder meine Dienstleistung eingearbeitet, bis man mich alles fragen konnte und ich die Antwort wusste. Ich wollte nie etwas sagen, das ich nicht weiß. Diese Sicherheit im eigenen Bereich hat mich im Gespräch ruhig gemacht. Und erst als ich selbst überzeugt war, dass mein Angebot dem anderen echten Mehrwert bringt, konnte ich den Preis nennen, ohne mich zu entschuldigen.

Aus den eigenen Gesprächen lernen. Ich habe mir meine Telefonate anfangs genau angehört und analysiert: Was habe ich gesagt, bevor der Kunde Nein gesagt hat? Wo habe ich ihn verloren? Gespräch für Gespräch wurde so besser. Wichtig: Ein Gespräch aufzunehmen ist nur erlaubt, wenn dein Gegenüber zustimmt. Ohne Zustimmung reichen ehrliche Notizen direkt nach dem Anruf.

Den Druck aus dem ersten Anruf nehmen. Ich habe im ersten Gespräch nicht versucht zu verkaufen. Ich habe angeboten, Informationen zu schicken, und gefragt: „Bis wann hast du dir das spätestens angeschaut, damit wir direkt den nächsten Termin ausmachen?“ So war der erste Anruf kurz und leicht und das zweite Gespräch hatte eine echte Grundlage, weil sich mein Gegenüber informiert hatte.

Und trotzdem, das will ich ehrlich sagen: Das Zögern ist nie ganz verschwunden. Genau das ist der Punkt, an dem heute meine Arbeit ansetzt.

Ist Kaltakquise noch zeitgemäß?

Für viele Selbständige ist sie nicht der einzige und oft nicht der beste Weg. Kaltakquise kostet viel Zeit. Ich bin deshalb irgendwann dazu übergegangen, vorzusortieren und zu automatisieren: mit klar strukturierten Internetseiten, die zu einem Thema wirklich informieren, mit Videos, die Interesse wecken, mit Werbung auf den Kanälen, auf denen meine Kunden unterwegs sind. Wer sich so umfassend informiert hat, kommt von sich aus. Dazu kamen viele Weiterempfehlungen, weil meine Kunden mit der Arbeit zufrieden waren. Was mir dabei am meisten geholfen hat: mich in meinen Kunden hineinzudenken. Welches Problem hat er genau und wie kann ich es lösen? Genau das gehört auf die Seite und ins Video.

Aber auch dann musst du irgendwann den Preis nennen, ein Angebot nachfassen, um einen Termin bitten. Die Angst vor dem Nein verschwindet nicht durch ein anderes Marketing. Sie zeigt sich nur an einer anderen Stelle.

Zur Rechtslage nur kurz und ohne Rechtsberatung: Unaufgeforderte Werbeanrufe bei Privatpersonen sind in Deutschland ohne deren ausdrückliche vorherige Einwilligung nicht erlaubt (§ 7 UWG). Bei Unternehmen reicht eine mutmaßliche Einwilligung, also ein erkennbares Interesse. Im Zweifel lass das prüfen.

Zum Ausprobieren

Was du selbst tun kannst

Sechs Schritte, die du ab dem nächsten Anruf ausprobieren kannst.

01

Werde sattelfest

Kenne dein Angebot so gut, dass dich keine Frage überrascht. Sicherheit im Thema ist die beste Vorbereitung auf das Gespräch.

02

Kläre, was du wirklich gibst

Schreib auf, welchen Unterschied dein Angebot für den Kunden macht. Erst wenn du das selbst glaubst, kannst du deinen Preis ruhig nennen.

03

Mach den ersten Anruf klein

Ruf nicht an, um zu verkaufen, sondern um Informationen anzubieten und einen zweiten Termin festzumachen.

04

Sag den Preis und dann nichts

Kein Nachsatz, kein Rabatt. Die Stille fühlt sich länger an, als sie ist.

05

Lern aus jedem Nein

Notiere direkt nach dem Anruf, an welcher Stelle das Gespräch gekippt ist. Nach zehn Gesprächen erkennst du ein Muster.

06

Zähl mit

Wie viele Anrufe, wie viele Gespräche, wie viele Angebote nachgefasst, pro Woche. Was du misst, verändert sich.

Bei diesem Thema lässt sich messen, ob sich etwas verändert

Verkaufsangst hat einen Vorteil: Veränderung ist sichtbar. Nicht an einem Gefühl auf einer Skala, sondern an deinem Kalender und deiner Anrufliste. Wie viele Anrufe hast du pro Woche gemacht? Wie viele neue Kontakte? Wie oft hast du den Preis genannt, ohne Rabatt nachzuschieben?

Genau diese Zahlen halte ich in meiner Arbeit vorher fest und vergleiche sie am Ende. Wie viel Umsatz daraus wird, hängt von deinem Angebot und deinem Markt ab, das kann niemand versprechen. Ob du zum Hörer greifst, lässt sich dagegen sehr genau sehen.

Wie ich mit Verkaufsangst arbeite

Ich arbeite nicht an deinem Leitfaden. Ich arbeite mit Coaching und Hypnose an der Reaktion vor dem Anruf: daran, dass ein Nein für dich wieder eine Information über das Angebot ist und kein Urteil über dich. Online per Video, in Einzelbegleitung.

Wie das abläuft, was es kostet und für wen es gedacht ist, liest du auf meiner Seite Verkaufsangst überwinden mit Coaching und Hypnose. Mehr über meinen Werdegang steht unter Über mich.

Reiner Küstner
Dein nächster Schritt

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